Nathalies Regungen

… im Kopf und in den Beinen

Archive for März 2010

Verhältnis zu Autos II

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Zu Beginn des Studiums kam ein zweites Auto in die Familie – ein neuer VW Polo Coupé, klein, ferrari-rot. Dann folgte – nachdem mir ein anderer draufgefahren war – ein weiterer VW Polo Coupé, ein dunkelblauer. Als dieser dann schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte und mich wieder jemand tuschiert hatte, kaufte ich einen schwarzen Fiat Punto mit sehr guter Ausstattung und 75 PS.

Ihm trauere ich immer noch hinterher. Ich sehe ihn zwischendurch, denn er fand nur ein paar Querstraßen weiter eine neue Besitzerin. Eine kleine, wendige Rennsemmel. Ich liebte ihn. Das klassische Understatement. Damals war ich Führungskraft bei einer dt. Versicherung – und ich hatte einen Firmen-Parkplatz, wie das halt so mit Privilegien ist. Und da stand er zwischen BMW Coupés, Audi A6, VW Touareg … J – ich hätte ihn nicht tauschen wollen.

Ein Job-Wechsel und längere Strecken auf Landstraßen führten zum nächsten Autowechsel: Denn Sicherheit war und ist mir beim Auto wichtig. Und so gabs ein reines Vernunftsauto, den VW Golf V in Schwarz-Metallic.
Aber ich, die ich immer sagte, ein Auto muß praktisch und sicher sein, wurde nie richtig warm mit dem Golf. Er fuhr, er war praktisch mehr aber auch nicht. Auch nicht weniger. Er gefiel mir nicht, er war mir zu klar, zu einfach. Aber er fuhr, er fuhr sehr gut und so fuhr ich ihn – länger als gewollt. Eine wirkliche Alternative gabs es nicht, den neuen Golf VI fand ich noch häßlicher, die Opels und Fords dieser Welt kamen nicht in Frage, die Renaults, Peugots, Citroens waren ok aber auch nicht überzeugend. Ich liebäugelte mit einem Fiat, vielleicht mit einem Fiat Bravo.

Aber dann waren wir letzten Herbst in Italien in Urlaub. Und ich schaute während des Kochens italienisches Fernsehen … und sah … ja, mein neues Auto. Aber nicht im ersten Moment. Denn ich sah … als erstes Richard Gere … der mit einem tollen Auto durch die Steppe fuhr. Beim zweiten Mal sah ich dann (fast) nur noch das Auto. Und den Preis am Ende der Werbung – der nicht viel höher als beim Golf war.

Langer Rede kurzer Sinn – warum rede ich so viel über Autos, gestern und heute?
Obwohl ich immer behauptete und noch behaupte, ein Auto muß nur sicher und praktisch sein, fahre ich seit zwei Wochen ein sicheres, praktisches und auch ein schönes Auto – und freue mich tierisch darüber. Das überrascht mich.

Written by Nathalie

22/03/2010 at 00:19

Veröffentlicht in Dinge des Lebens

Verhältnis zu Autos I

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Ich glaube, ich habe kein klassisch weibliches oder auch klassisch deutsches Verhältnis zu Autos. Gibt es beides überhaupt?

Aufgewachsen bin ich in einer Auto-nahen Familie, denn sowohl Mama (bevor es mich gab) als auch Papa arbeiteten im Reifenhandel und lernten sich auch dort kennen. Und der Reifenhandel prägte auch mich: Obwohl Einzelkind, klassisches Mädchen mit Zöpfen und Kleidchen verbrachte ich doch so manchen Tag zwischen Reifen und Felgen, schaute beim Abladen tausender Reifen zu, ging mit Papa auf die Handwerksmesse nach München und zu verschiedensten Autorennen, LKW-Ausstellungen, Produktvorführungen u.v.m. Ich hatte nicht nur Puppen sondern auch eine Spielzeug-Parkgarage und viele kleine Autos.

Und mein Vater fuhr viele Autos – VW Käfer, Renault R4, Peugeot 404, Peugeot 504, Audi 100, Audi 90, BMW 7er, Audi A3 – wild gemischt, immer neu, nie gebraucht. Das Auto war immer wichtig, aber eben nie ein Heiligtum. Es war Gebrauchsobjekt, das gepflegt, aber nie gehegt wurde. Ich konnte darin essen, trinken, schlafen.

Als ich meinen Führerschein machte, bekam ich auch sofort die Schlüssel für den damaligen Audi 100 in die Hand. Durfte in Papas Auto mit Freundinnen von Augsburg nach München fahren, nachts in die Disco ans andere Ende der Stadt – immer auch in der Gewissheit, daß ich keinen Alkohol trinke, wenn ich fahre. Und wohl auch, weil es meinen Eltern lieber war, wenn ich fuhr, als wenn ich irgendwo anders mit drin saß.

Außerdem mußte ich gleich lernen, wie man Reifen wechselt, Ölstand, Bremsflüssigkeit, Kühler – alles klar. Ich weiß, wie ein Motor funktioniert, der Unterschied von Benzin und Diesel ist mir bekannt und sonst auch noch einiges. Ich rege mich heute regelmäßig auf, wenn ich in die Werkstatt fahre und mich die Mechaniker dort für blöd halten.

Also:
Ich habe ein eher praktisches, kein gesteigertes, kein verhätschelndes, aber wissendes Verhältnis zu Autos.

Written by Nathalie

21/03/2010 at 00:53

Veröffentlicht in Dinge des Lebens