Nathalies Regungen

… im Kopf und in den Beinen

Mütter und Wünsche

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Angeregt durch die Artikel von Kaltmamsell und Frau Croco über ihre Mütter, deren Wünsche und Wegweiser für ihre Töchter mußte ich an eine Situation denken, die mir noch genau in Erinnerung ist:

Es ist Sommer 1987, d.h. ein Jahr vor meinem Abitur. Wir beide, Mama und ich, stehen auf dem Balkon, vor uns die Geranien (und am Horizont hinter Augsburg wahrscheinlich die Alpen). Es ist heiß und die Sonne scheint. Und es geht um meine Zukunft, um mein Studium. Da sagt Mama so oder so ähnlich „Studiere, laß Dich nicht festlegen, studiere nicht Lehramt, nur weil jeder sagt, daß es gut für eine Frau ist, weil sich der Beruf gut mit Mann und Kindern vereinbaren läßt.“

Es stand zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon fest, daß Mathematik und Physik Teil des Studiums sein sollten (Medizin war zwar mal Thema, aber von mir eigentlich schon wieder aussortiert). Papa votierte für Lehramt, sowie der wahrscheinlich gesamte Freundes- und Bekanntenkreis als auch die Verwandtschaft. Die Lehrer sowie der Rektor meines kleinen privaten Gymnasiums, auf das ich ging, stellten mir fast schon Anstellungsverträge aus bzw. stellten mir Praktikums- und Referendariatsplätze in Aussicht. Aber dieses festgelegt sein auf eine Richtung, einen Beruf (auch wenn das aus heutiger Brille nicht unumkehrbar ist) behagte mir nicht. Außerdem gab ich zur damaligen Zeit viele Nachhilfestunden. Ich war sicher nicht schlecht, es machte Spaß, aber eben nur mit einem Schüler, mit individuellen Rahmenbedingungen, nicht mit einem ganzen Haufen.

Daß gerade Mama mir riet, nicht den „familiären“ Weg zu gehen, fand ich schon damals gut. Sie war – wie wohl viele in ihrer Generation Mutter, mit Herz und Überzeugung.
Nach Grundschule blieb ihr nur die Hauptschule, denn ihr Vater war gestorben und meine Oma zog 7 Kinder in der Nachkriegszeit groß. Da blieb nur Geld für einen Gymnasiumsplatz, für meinen Onkel. Also gings nach der Hauptschule in die Lehre. Danach der Wechsel ins Büro eines Handelsunternehmes, wo sie auch meinen Vater kennenlernte.

Mit 30 kam ich und sie blieb zuhause, kochte, putzte, versorgte uns alle, (v)erzog mich, aber blieb doch immer informiert, lernte mit mir und für sich (in Latein ist sie heute wohl immer noch besser als ich), las in Augsburg die Süddeutsche (eine Rarität vor 25 Jahren), reiste mit uns … und … und … und …

Ich hatte nie das Gefühl, daß sie mit ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter haderte, aber sie achtete und achtet immer sehr genau, daß ich unabhängig, frei und eigenständig bin – auch wenn sie P. sehr mag.

Vielleicht war Mama der ausschlaggebende Faktor, in München zu studieren, an der TU, mit Ziel Diplom-Mathematik mit Nebenfach Physik. Den Wechsel ins Lehramt hätte ich jederzeit (mit Nachbelegung von Pädagogik) machen können. Habs aber nie gemacht.😉

Written by Nathalie

25/04/2012 um 21:58

Veröffentlicht in Dinge des Lebens, Familiäres

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