Nathalies Regungen

… im Kopf und in den Beinen

Die Frau ohne Unterleib …

with 2 comments

… die gibt es bald wieder auf der Wiesn. Aber vom Besuch dieser Schaustellerei rate ich doch dringendst ab. Wir haben vor Jahren für den Sonderpreis von 1€ die erste Vorstellung auf der Wiesn am Eröffnungssamstag besucht. Grottig. Kein Gag, kein Trick klappte. Wenn man es jetzt gut meint, die Anfangsschwierigkeiten abzieht, wird es trotzdem nicht besser.
Aber wir schmunzeln jedes Mal, wenn wir daran vorbeischlendern. “Weißt Du noch …?” Das ist dann wenigstens die insgesamt 2€ wert.

Darum gehts mir aber gar nicht, es geht mir um die Frauen ohne Köpfe im Internet, auf Twitter, im Rahmen der #609060 Aktion, zu der ich erklärend eigentlich gar nicht mehr viel sagen muß und will. Es wurde viel gesagt, erklärt, diskutiert, kommentiert.

Auch ich bin seit gut einer Woche dabei, anfangs skeptisch, auch selbst überwindend, den Sinn für mich hinterfragend. Warum fotografiere ich mich? Wenn ich es nur für mich selbst tue, dann brauche ich es ja nicht veröffentlichen. Ist es eine Marotte? Mache ich nur mit, weil es andere machen? Letzteres konnte ich wenigstens sofort verneinen. Der Typ war ich nie. Aber trotzdem, es bewegte mich. Die Bilder, die Frauen (wenige Männer), die sich fotografieren, so wie sie sind.

Was bringts? Menschen jeglicher Form und Couleur kann ich auch sehen, wenn ich nur schon vom Balkon schaue. Aber: Diese Menschen sind mir im weitesten Sinne egal, sie verschwinden in der Masse. Hier, im Internet, habe ich eine kleine, feine Auswahl der Menschen da draußen. Menschen, die ich größtenteils schätze. Sehr schätze. Menschen mit Ecken und Kanten und ohne Modellkörpern, jedenfalls die meisten. :-)
Auch ich habe keinen Modellkörper, und ich habe erfahren, daß man oft genug auf Körperform/größe reduziert wird, daraus Charaktereigenschaften gefolgert werden. Und deshalb entstehen Hemmungen, auch bei mir. Nicht extrem große, aber sie sind da. Werden diese sehr geschätzten Internet-Menschen, mich “ganz” akzeptieren, wenn sie mir begegnen? Befinden sie sich vielleicht selbst nicht in einem Modellkörper? Sehr wahrscheinlich.

Der Blick in die kleine Runde meiner Internetmenschen zeigt jeden Tag – sie stellen wenigstens körperlich einen ganz normalen Querschnitt der Bevölkerung dar, mal dick, mal dünn, mal groß, mal klein – mal lässig, mal nachlässig, mal korrekt gekleidet. (Wenn sie geistig dem normalen Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen würden, wäre es um uns besser gestellt.)
Ja, am Anfang war viel Neugier dabei, aber jetzt ist das sich selbst Fotografieren ein tägliches Ritual und das Klicken auf die anderen #609060 Fotos eine Freude. Warum auch nicht neugierig sein? Ich denke, die anderen sind auch nicht frei davon. Aber es wird freundlich miteinander umgegangen.
Und – es wird auf einmal Kleidung, Einkaufsadressen, Tips etc diskutiert – ausgehend von den Fotos. Nicht das Schlechteste, wenn es nicht den ganzen Tag thematisiert wird.
Ich stelle außerdem fest, daß ich mich auf den Fotos anders wahrnehme, als wenn ich in den Spiegel schaue. Mal schlechter, mal besser, aber anders.

Aber immer ohne Kopf, so ein bißchen Anonymität im Internet versuche ich mir doch noch zu bewahren.

Written by Nathalie

10/09/2012 um 23:20

Veröffentlicht in Dinge des Lebens, In #609060

Getaggt mit ,

2 Antworten

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  1. witzig – da sind einige gedanken dabei, die ich die letzten tage auch hatte…

    feinschmeckerle

    11/09/2012 at 12:30

  2. [...] immer interessanter finde, wie man sich im Spiegel sieht und wie man auf Fotos wirkt, will ich die #609060 Bilder aus Twitter nicht ganz in der Versenkung verschwinden lassen. Deshalb wird es hier immer wieder eine [...]


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