26. März 2019 – was vom Tage übrig bleibt …

In den Morgenstunden vom Mann mehrfach angestupft worden, ich schnarchte. Mit sehr trockenem Mund/Hals aufgewacht. Morgenroutine, dann ab nach Grünwald, dienstäglicher Kundentermin. Die unterstützende Studentin wollte um 9 Uhr da sein, also war ich es auch. Nachdem ein Stapel von Einheitswert- und Grundsteuermessbescheiden vom Finanzamt in der Post war – einmal für die Zeit des unbebauten Grundstücks und danach für die Tiefgaragen und Wohnungen – erklärte ich ihr das Prinzip der Grundsteuer und der Berechnung. (Man lernt so etwas scheinbar nicht im BWL-Studium. Ich zitiere mal aus Wiki:

Die Grundsteuer ist in Deutschland eine Steuer auf das Eigentum, aber auch auf Erbbaurechte an Grundstücken und deren Bebauung. Gesetzliche Grundlage der Grundsteuer ist das Grundsteuergesetz (GrStG).  … Die Grundsteuer ist eine der ältesten bekannten Steuerarten.

Sollte man eigentlich wissen. Aber wahrscheinlich wußte ich das mit Anfang 20 auch nicht. Oder vielleicht doch?) Sie war jedenfalls schwer beeindruckt. 😉

Der Kunde kam hinzu, wir besprachen uns. Außerdem wollten wir einen neuen Drucker in Betrieb nehmen, ich hatte dazu einen Switch gekauft. Wir zwei alten IT’ler bekamen es einfach nicht hin, nur sporadisch konnte wir auf die Drucker zugreifen, Pings kamen mal an, mal nicht. Der Mann wurde per Telefon hinzugezogen und hatte die richtige Lösung, die wir aber erst nächste Woche umsetzen können.

Rechtzeitig losgekommen, ich wollte abends noch in die Oper. Als ich zuhause war, rief der Mann an. Sein Auto hatte einen Unfall. Ein älterer Herr hatte es doch sehr kräftig beim Einpacken „touchiert“. Motorhaube, Kotflügel, Stoßstange müssen sicher ausgetauscht werden. Er konnte aber noch nach Hause fahren, wir besprachen die nächsten Schritte. Als ich auf dem Handy die genaue Verbindung zur Oper heraussuchen wollte, stellte ich fest, daß die Straßenbahn von Berg am Laim zur Staatsoper im Moment wegen Bauarbeiten nicht fuhr. Hektik kam auf. Also Taxi bestellen und fünf Minuten vor Beginn war ich im Parkett.

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Es gab „La fanciulla del West“ von Puccini, eine sehr selten gespielte Oper. Ich könnte sagen, ich weiß jetzt warum. Noch nie ließ mich eine Oper so kalt. Sie langweilte mich, sie nahm mich nicht mit, sie ergriff mich nicht. Ich war in keinem warmen Kokon gefangen, konnte nicht genießen oder vergessen. Ich saß da und sah nach vorne. Und war gelangweilt. Zu viel Sprechgesang, nur eine Frau, viele Männer, keine Chöre. Keine schönen Sopran-Alt-Arien. Hinzu kam mein Nachbar, ein älterer Herr um die 75 in einer dicken Lederjacke, die bei jeder noch so kleinen Bewegung – zum Beispiel beim Atmen – knirschte. Und er war so ergriffen, daß er jede Handlung auf der Bühne mit „Ohhhh“ „Neeeeein“ „Oh je“ oder einem Lachen kommentierte. Am Anfang war ich noch amüsiert, kurz vor der Pause von der Gesamtsituation aber nur noch genervt. In der Pause hätte ich ihn gebeten, seine Lederjacke doch bitte an der Garderobe abzugeben, aber ich verließ das erste Mal in meinem langen Opernleben das Theaterin der Pause und begab mich nach Hause auf die heimische Couch. Ich war nicht die Einzige, die sich in der Pause den Mantel geben ließ. Der Pausenapplaus war im übrigen sehr „höflich“, mehr aber auch nicht.

Ein Glas Wein, etwas Internet, ab ins Bett.


 

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