Nathalies Regungen

… im Kopf und in den Beinen

Archive for the ‘Warum’ Category

Wiesen und Stege

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Was soll denn das, liebe IHK Berlin und liebe Wirtschaftsjunioren Berlin, die Ihr diese Kampagne unterstützt? Was wollt Ihr damit vermitteln? Welches Bild wird der Zielgruppe, den jungen Leuten, suggeriert?

Initative – Ich mach mich selbständig!

Arbeitet man, wenn man selbständig ist, nur in Parks, Wiesen und auf Stegen? Ist alles Sonnenschein und heile Welt? Es gibt nur Freiheit, Glück und blauen Himmel?

Natürlich „arbeite“ auch ich mal auf einem Steg am Ammersees. Aber nur, weil mein Kunde dort ein Seegrundstück mit Boot besitzt und ich den Steg im März auf Winterschäden inspiziere und ggf. gleich von dort den Handwerker per Telefon oder Mail beauftrage, oder … an einem Sonntag, an einem freien Tag, wenn die Woche wieder nicht zum Abarbeiten der offenen Punkte reichte und ich auch in der Sonne noch ein paar Mails vom Tisch bringen muß. Natürlich kann es aber auch sein, daß der Kunde am Sonntag anruft. „Sie ist selbständig, dann erreiche ich sie ja.“ (Wobei meine Kunden gut erzogen sind und dies tatsächlich nur im Notfall tun.)

Und auf der Wiese arbeite ich, wenn im Kundenbüro auf dem Land mal wieder kein Handy-Empfang ist und ich auf die Wiese muß, um zu telefonieren … oder schaue, ob die Maulwurfshügel in der Wiese vielleicht doch von Wühlmäusen stammen und der Kammerjäger kommen würde.

Liebe IHK, genau dann arbeite ich auf Stegen und Wiesen.

Natürlich hat die Selbständigkeit Vorteile, man kann tagsüber etwas privat erledigen, das man als Angestellter sicher nicht so einfach dazwischenschieben kann. Aber dann zeigt auch Fotos von Nachtschichten am Schreibtisch, in denen man nämlich diese Freiheiten ausgleichen muß.

Es macht keinen Sinn, Berufsanfängern und Einsteigern in die Selbständigkeit zu suggerieren, daß das ein Zuckerschlecken ist. Dann scheitern mehr als nötig.

(Link über @kittykoma auf Twitter.)

Written by Nathalie

17/03/2013 at 08:27

Macht es!

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Eine halbe Nacht und einen halben Tag war ich fassungslos, ärgerlich, traurig, schockiert, überrascht, dann langsam irritiert, skeptisch bzgl. meiner Timeline, bzgl. des Hashtags #aufschrei.

Einen halben Tag rang ich mit mir. Sollte ich einen Tweet schreiben? Sollte ich keinen schreiben? Darf ich in Frage stellen, wie sich eine Masse von Frauen verhält, wie sie es empfinden? Darf ich das? Weil: verstehen kann ich alles, was sie schreiben. Und ich finde es richtig und gut, daß es gesagt wird.
Aber: Das ist nicht neu. Machen wir uns nichts vor. Wir wissen es alle, daß es passiert. Wer das verdrängt, wird es meist auch weiter verdrängen.

Und ja, sagt es, schreit es – aber MACHT WAS.
Sonst wird aus dem Hashtag #aufschrei eine wunderbare Aktion, die wieder einschläft wie #609060. Zwischendurch wird noch jemand bei Twitter aufschreien, aber das war’s. Also MACHT WAS.
Und ja, es gibt Frauen, die nicht die Kraft und nicht das Selbstbewußtsein haben, sich zu wehren und für die man kämpfen muß. Aber ich habe nicht das Gefühl, daß meine Timeline zum großen Teil aus diesen Frauen besteht.
Und ja, es ist nicht die Schuld der Frauen, daß sie vergewaltigt werden.
Und ja, der Täter hat Schuld, nicht das Opfer.

Aber nur einfach zu sagen, der Täter ist schuld, er muß aufhören, ist leider zu einfach. Wo leben wir? Wir leben nicht in einer heilen Welt. Hier wird geboren und gestorben. Wir werden geschlagen oder gelobt. Wir werden befördert oder auch nicht. Wir werden verlassen oder verlieben uns.
Wer auch immer wird nicht einfach nur sagen „Du armes, armes Hascherl, ich bin jetzt ganz brav, ich schau Dich nicht mehr an, ich grapsch‘ Dich nicht mehr an.“

Mädels – uns wird nichts in den Schoß gelegt, wir mußten und müssen dafür kämpfen. Ob im Beruf oder in der Partnerschaft. Ob mit Freunden oder dem Chef. Das ist nicht bequem und es ist nicht gerecht.

Und genau deshalb, wehrt Euch, gebt Euren Kindern Selbstbewußtsein (ja, beiden Geschlechtern), erzieht sie mit Respekt für alle Unterschiede, die uns Menschen auszeichnen, klagt an, sprecht mit jungen Leuten, gebt Richtung, gebt Sicherheit, seid mutig (auch wenn es vielleicht heißt, ggf. in der Auseinandersetzung zu verlieren), sprecht es an (aber eben nicht nur auf Twitter).
Und ja, es ist schwer, es kostet Kraft, es benötigt Überwindung, es ist manchmal auch unvernünftig, aber

MACHT ES!

Written by Nathalie

25/01/2013 at 15:01

Veröffentlicht in Im weiten WWW, Warum

2. Januar 2013 – was vom Tage übrig bleibt …

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  • Warum bin ich in letzter Zeit verwirrt und verunsichert beim Gebrauch der Wörter „wie“ und „als“? Also suche ich mir ganz brav die grammatikalische Grundlagen dafür heraus:
    „Wenn etwas gleich ist, benutzen wir das Wort WIE.“
    (Das Adjektiv ist in der Grundform.)
    „Ist etwas unterschiedlich, benutzen wir das Wort ALS.“
    (Das Adjektiv ist in der 1. Steigerungsform.)
    Und wer noch ein bißchen üben will, findet hier ein Übungsblatt für die dritte Klasse Grundschule. Wie peinlich.  (Neigt der Bayer eher zum Gebrauch des Wörtchens WIE in der Umgangssprache?)
  • Seit ich vor einigen Jahren wirklich gelitten habe, weil ich einige Belege und Buchungen für meine Steuererklärung (selbständig) nicht mehr erklären/zuordnen/finden konnte (und es war nur knapp ein Jahr vergangen), traf dann doch der Weisheit „Lernen durch Leiden“ zu. Seit damals schreibe ich die letzten Rechnungen und buche Dezember-Belege meist an Silvester, checke die Jahresbuchungen auf Plausibilität, versende die Elster-Umsatzsteuervoranmeldung für Dezember und schicke meinem Steuerberater die Jahresdaten. Dann fehlen nur noch das Fahrtenbuch (ICH HASSE ES) und die Bank-Bescheinigung. Als das habe ich dieses Jahr mit zwei Tagen Verspätung erledigt – heute.

Written by Nathalie

03/01/2013 at 00:23

Der Christbaum auf Nachbars Balkon

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Wie bei uns steht bei vielen der eingepackte Christbaum auf dem Balkon und wartet auf seine Entfaltung am 24. Dezember oder auch kurz davor.

Auf dem Weg zu unserer Wohnungstür gehen wir immer am Balkon eines Nachbarn vorbei. Letztes Jahr stand dort die Tage vor Weihnachten ein Christbaum, verpackt als Wurst im klassischen Netz. So stand er auch noch am Heilig Abend, am ersten und am zweiten Weihnachtsfeiertag. Aber nicht nur dann, sondern auch an Neujahr, zu Ostern und Pfingsten.
Ich kenne die Leute nicht, die dort wohnen. Sie sind nie auf dem Balkon. Und doch hat es mich beschäftigt. Was war passiert? Was war los? Es brannte immer wieder Licht – also war Leben in der Wohnung. Aber warum kauft man einen Christbaum und läßt ihn dann eingepackt stehen – über Monate. Irgendwann im Sommer war er dann verschwunden.

Dieses Jahr steht wieder einer auf dem Balkon – noch eingepackt. Wenn er dieses Jahr wieder dort bleibt, weiß ich jetzt, daß alles ok ist. Die Nachbarn vermeiden einfach, daß er die Wohnung voll nadelt oder einfach keinen Platz hat.

Written by Nathalie

22/12/2012 at 19:09

Veröffentlicht in ... in München, Warum

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Ärgern

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Wenn ich meine Visitenkarte übergebe, kommt es oft – ZU OFT – zu zwei Fragen, die hintereinander gestellt werden:

„Sie haben Mathematik studiert?“
Eigentlich rhetorisch – steht ja drauf. Früher noch gerne ergänzt um „als Frau“.

„Sie haben das fertig studiert?“
Eigentlich rhetorisch – steht ja auf der Karte indirekt (mit dem Dipl.-Math.) auch drauf.

Weiß nicht, welche der zwei Fragen mich mehr aufregt.

Written by Nathalie

19/12/2012 at 18:09

Veröffentlicht in Dinge des Lebens, Warum

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Ich bin nicht allein …

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… mit meinen Zweifeln und der Verunsicherung über mein aktuelles Leseverhalten. Erst las ich bei Patschbella, dann bei Excellensa und schließlich bei Journelle darüber. Und fand mich in allen drei Artikeln irgendwie mehr oder weniger wieder.

Ich bin mit Büchern groß geworden, meine Mutter las viel, hat das wohl auch bei mir von Anfang an gefördert. (Meine Mutter ist seit 50 Jahren Mitglied der Büchergilde.) Mein Vater las mir immer vor, ich erinnere mich an „Huibuh, das Schlossgespenst“ oder die Bücher von Otfried Preußler, aber auch „Fix & Foxi“ und Entenhausen standen bei uns hoch im Kurs.

In der Grundschule suchte ich den Bücherbus heim, der wöchentlich in unseren Stadtteil kam. Später kam dann eine Stadtteilbibliothek, die ich bald in- und auswendig kannte. Ich griff schnell zur Erwachsenenliteratur, ich las alles, von Schund bis „hoch intellektuell“, von „Angélique“ bis „Der Zauberberg“. Nichts war vor mir sicher. Sehr bald stellte sich auch eine große Liebe zu Krimis ein, wobei mir die „Who-dunnit“ am liebsten waren und sind – hier waren die Agatha Christie Bücher mein Einstieg.

Auch während des Studiums las ich viel, denn ich pendelte 6 Jahre zwischen Augsburg und München, Fahrtstrecke Haustür zu Haustür einfach 1 ½ Stunden. Zwar mischten sich hier Zeitungen, Zeitschriften und natürlich Fachliteratur unter die Bücher, aber ein Taschenbuch war immer in der Tasche dabei.

Und danach – eine Handtasche, eine Aktentasche ohne Buch? Nein, ging gar nicht. Es hätte doch sein können, daß während des 12-Stunden-Arbeitstages irgendwo eine kleine Lücke für ein, zwei Seiten Buch sein würde. Oder ich hätte ohne Buch im Aufzug hängen bleiben können … undenkbar.

Und die noch größere Panik? Nicht genügend Urlaubsliteratur dabei zu haben. Der Super-GAU, etwas das nicht sein kann, sein darf, das zu völliger Orientierungslosigkeit und Panikattacken führen würde. Nie werde ich den Gesichtsausdruck von P. vergessen, als wir das erste Mal gemeinsam mit Rucksack in den Urlaub gefahren sind, nach Griechenland, Inselhüpfen, und er (als bis dahin Nicht-Leser) sich wunderte, warum meine Rucksack so schwer war. ;-)Seit diesem Zeitpunkt, gut ein Viertel Jahrhundert ist inzwischen vergangen, hat er sich die ersten Jahre heftig gegen die Bücherstapel gewehrt, es irgendwann aber aufgegeben. Die einzige Maßgabe, die es jetzt noch gibt: Nicht mehr Bücher als Urlaubstage. Damit kann ich leben.

Aber dann passierte es, das Internet nahm immer mehr Platz in meinem Leben ein. Das normale Lesen von Artikeln, dann das Entdecken von Kochblogs und dann das Selbstschreiben, das Kennenlernen von Kochbloggern, dann von Bloggern … und das Internet wurde immer größer und meine Lesereise darin auch. Und schließlich noch Twitter und die Kommunikation mit tollen, interessanten, intelligenten Leuten, ihre Tips zu Artikeln, zu anderen Blogs … und wieder wurde das Internet größer. Und ich las und lese … ganz viel … aber eben nicht mehr in Büchern, sondern im Notebook und im iPhone.

Ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen, die guten Bücher, die ich nicht mehr kaufe, oder die, die ich kaufe und dann auf dem „Ungelesen“-Stapel landen. Der Gedanke „Ich lese gar nicht mehr“, der immer wieder hoch kommt, der aber gar nicht stimmt. Ein bißchen auch die Angst, etwas da draußen in der großen Bücherwelt etwas zu verpassen. Ich höre Podcasts von dradio oder WDR mit Büchertips, ich schreibe mir auf, was ich unbedingt lesen muß … aber … nix.

Ganz nix – nein, nicht ganz. Auf Urlaubsreisen nehme ich immer noch stapelweise Bücher mit. Die Roaming-Gebühren sind meist noch so hoch oder die vorhandenen WLAN-Verbindungen so schlecht, daß ich doch wieder auf Bücher zurückgreife, gerne. Und ich genieße es, stundenlang, gerne auch bis tief in die Nacht zu lesen. Das finde ich immer noch wunderbar. Und das ist auch der Grund, warum wir nur Zwei-Zimmer-Ferienwohnungen buchen. (P. liest zwar inzwischen, aber nicht nächteweise.) In Hotelzimmern ziehe ich mich gerne ins Bad auf die Toilette oder mit Decken bequem ausgelegte Ecken zurück.

Das versöhnt mich ein bißchen mit mir selbst. (Aber ich gebe zu, es beschäftigt mich trotzdem.)

Written by Nathalie

17/10/2012 at 21:09

Veröffentlicht in Dinge des Lebens, Warum

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Bedürfnisse

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Immer wieder das Bedürfnis hier etwas zu schreiben, los zu werden, zu diskutieren, aus dem Kopf zu bekommen …
Und immer wieder das Thema Zeit sowie ein berufliches (für einen Kunden geschriebenes) Blog und ein privates Spezialitäten-Blog.

Written by Nathalie

18/04/2012 at 07:25

Veröffentlicht in Warum