Wiesen und Stege

Was soll denn das, liebe IHK Berlin und liebe Wirtschaftsjunioren Berlin, die Ihr diese Kampagne unterstützt? Was wollt Ihr damit vermitteln? Welches Bild wird der Zielgruppe, den jungen Leuten, suggeriert?

Initative – Ich mach mich selbständig!

Arbeitet man, wenn man selbständig ist, nur in Parks, Wiesen und auf Stegen? Ist alles Sonnenschein und heile Welt? Es gibt nur Freiheit, Glück und blauen Himmel?

Natürlich „arbeite“ auch ich mal auf einem Steg am Ammersees. Aber nur, weil mein Kunde dort ein Seegrundstück mit Boot besitzt und ich den Steg im März auf Winterschäden inspiziere und ggf. gleich von dort den Handwerker per Telefon oder Mail beauftrage, oder … an einem Sonntag, an einem freien Tag, wenn die Woche wieder nicht zum Abarbeiten der offenen Punkte reichte und ich auch in der Sonne noch ein paar Mails vom Tisch bringen muß. Natürlich kann es aber auch sein, daß der Kunde am Sonntag anruft. „Sie ist selbständig, dann erreiche ich sie ja.“ (Wobei meine Kunden gut erzogen sind und dies tatsächlich nur im Notfall tun.)

Und auf der Wiese arbeite ich, wenn im Kundenbüro auf dem Land mal wieder kein Handy-Empfang ist und ich auf die Wiese muß, um zu telefonieren … oder schaue, ob die Maulwurfshügel in der Wiese vielleicht doch von Wühlmäusen stammen und der Kammerjäger kommen würde.

Liebe IHK, genau dann arbeite ich auf Stegen und Wiesen.

Natürlich hat die Selbständigkeit Vorteile, man kann tagsüber etwas privat erledigen, das man als Angestellter sicher nicht so einfach dazwischenschieben kann. Aber dann zeigt auch Fotos von Nachtschichten am Schreibtisch, in denen man nämlich diese Freiheiten ausgleichen muß.

Es macht keinen Sinn, Berufsanfängern und Einsteigern in die Selbständigkeit zu suggerieren, daß das ein Zuckerschlecken ist. Dann scheitern mehr als nötig.

(Link über @kittykoma auf Twitter.)

7. März 2013 – was vom Tage übrig bleibt …

  • Knapp sechs Stunden für ein Kundenprojekt eine Facebook-Seite erstellt und Fotos hoch geladen. Für genau solche Arbeiten ist als Hintergrund-Musik Solo Piano auf radio.de sehr angenehm. Eigentlich höre ich kein Radio während der Arbeit, das habe ich nie getan, weder zur Schul- noch zur Studienzeit, nicht während noch so stupider Ferienjobs. Ich höre eher Fernsehen, ich habe in der Studienzeit und vor allem in den Wochen vor dem Diplom immer den Fernseher im Hintergrund laufen gehabt. Klappt wunderbar. Fördert die Konzentration und die Aufnahmefähigkeit. Bei mir wenigstens.
  • Noch mal die Sonne genießen und kurz den Arbeitstag für einen Gang zum Bio-Markt unterbrechen. Das erste Mal den Hackenporsche verwendet. Toll! Fährt super, leicht, läßt sich an den Einkaufswagen hängen. Und es paßt unglaublich viel rein.

Shopper

  • Morgen früh bin ich zu einem zweimal jährlich stattfindenden Business-Frühstück eingeladen. Ca. 80 Männer und eine Frau hören im Ballsaal einer 5* Hotels den Ausführungen dreier Banker zu den Makro- und Micro-Entwicklungen zu. Manchmal interessant, manchmal super langweilig. Alle Männer im schwarzen Anzug – macht mich immer aggressiv, diese Uniformierung. Trage an dieser Veranstaltung grundsätzlich eine andere Farbe. (Oder vielleicht lasse ich es ausfallen und verdiene am heimischen Schreibtisch Geld?)

Mathematikerinnen und Mädchenschulen

Die aktuelle Diskussion zum „In Mathe bin ich Deko“-Shirt von Otto und vor allem der Artikel der Berlinmittemom zum Thema „self-fulfilling prophecies“ erinnerte mich wieder an meine Uni-Zeit:

  • Von den 133 Studenten, die an der TU München Ende der 80er mit mir angefangen hatten, Diplom-Mathematik zu studieren, waren sechs weiblich.
  • Von den 6 Studentinnen waren 6, also alle, an Mädchen-Gymnasien.
  • Von den 6 Studentinnen hatte keine je die Sätze gehört „Du kannst das nicht.“ oder „Für Mädchen ist Mathe schwierig.“ oder „Studier‘ das lieber nicht als Mädchen.“ und trug wahrscheinlich auch keine ein Shirt mit der Aufschrift „In Mathe bin ich Deko“. Vergleiche mit Jungs wären, da keine vorhanden waren, eh abstrakt gewesen.

Meine ausschließlich männlichen Mathe-Lehrer unterstützen, vorallem in der Kollegstufe (an einem neusprachlichen Gymnasium) meine Idee eines Mathe- oder Physikstudiums. Meine Eltern fanden gut, daß ich studieren wollte. Was, war erst einmal nebensächlich. Ich bin nie auf die Idee gekommen, daß ich als Mädchen, junge Frau das nicht schaffen könnte. Vielleicht auch, weil es mir keiner gesagt/suggeriert hatte?

Erst später, im Berufsleben, wurde ich immer wieder damit konfrontiert. Und ich ärgere mich immer wieder über die Frage: Haben Sie auch fertig studiert? – hier schon mal erwähnt.

P.S. Von den 133 Studenten haben 34 das Studium abgeschlossen, davon 5 Studentinnen. 🙂 Geht doch.

Bronstein

Ärgern

Wenn ich meine Visitenkarte übergebe, kommt es oft – ZU OFT – zu zwei Fragen, die hintereinander gestellt werden:

„Sie haben Mathematik studiert?“
Eigentlich rhetorisch – steht ja drauf. Früher noch gerne ergänzt um „als Frau“.

„Sie haben das fertig studiert?“
Eigentlich rhetorisch – steht ja auf der Karte indirekt (mit dem Dipl.-Math.) auch drauf.

Weiß nicht, welche der zwei Fragen mich mehr aufregt.

30. Oktober 2012 – was vom Tage übrig bleibt …

Gespräch in einem Emissionshaus für geschlossene Fonds und Beteiligungen. Die neue Beraterin hatte ich mich eingeladen. Ich kenne sie von einer Bank; sie war mir dort schon nicht besonders positiv aufgefallen. Aber wir hatten nur ein Gespräch, dann wurde ihr Vertrag dort nicht verlängert. Danach versuchte sie (ziemlich platt), mir Informationen und Konditionen zu meiner Tätigkeit zu entlocken, um sich ggf. im gleichen Bereich selbständig zu machen. Ich schaltete auf Durchzug. Innerlich war ich aber schon aufgrund der plumpen Blödheit genervt.
Kurze Zeit später meldete sie sich aber, berichtete über ihre neue Tätigkeit im o.g. (bekannten) Emissionshaus und lud mich zu einem Gespräch ein. Diese Einladung nahm ich an, das Emissionshaus ist nicht uninteressant, anhören kann ich mir das ja mal.

Aber: Das Gespräch war (aus meiner Sicht) eine Katastrophe. Wie kann man so schlecht und unwissend ein Produkt anbieten? „Sie können der Wirtschaftsprüfung vertrauen …“ „Sie können das glauben, das haben Rechtsanwälte geprüft …“ „Ich hoffe, das wird gut laufen.“ Mit den Worten Glaube, Vertrauen und Hoffnung ein vielleicht gar nicht mal so schlechtes Produkt anzubieten und damit meine zugegeben auch kritischen Fragen zu beantworten … geht gar nicht. Hätte ich nicht sehr schnell einen Gang runtergeschalten, nur noch eine höfliche Anzahl von Fragen gestellt und den Rest einfach an mir abprallen lassen, wäre das Gespräch sicher eskaliert. Meine Fragen waren ihr so schon zu viel.

Auch hier wird sicher ihr Vertrag nicht verlängert werden, ich werde aber ihre Einladung zum Gespräch beim dritten Arbeitgeber höflich ablehnen.

Nachtrag: Mir fallen jetzt lauter Sätze ein, die mich während des Gesprächs gehörig aufregten: „Wir haben keinen Vertrieb, wir haben nur Fachleute.“ – Was ist sie dann?