12.-15. März 2013 – was vom Tag übrig bleibt …

  • Nicht fit. Eine Streptokokken-Infektion hat mich erwischt. Erhöhte Temperatur, müde, erschöpft, Atemnot. Viel geschlafen, die T-Home-Box leer geschaut, Internet leer gelesen, nachgedacht, gegrübelt.
  • Ich möchte mich von einem großen Kunden trennen, dazu bedarf es aber an Nachschub. Zwei kleine Auftraggeber kündigen sich an, sie würden zwar nicht den großen Kunden ersetzen, aber es wäre ein Anfang. Außerdem habe ich letzte Woche eine größere Werbeaktion gestartet, die hoffentlich über kurz oder lang nachhaltigen Erfolg zeigen wird.
  • Die Hausverwaltung und der Schreiner meldeten sich Dienstag. Kommenden Montag und Dienstag bekommen wir im Schlafzimmer Parkett. Mir graut. Ein Zimmer ganz ausräumen. Das Wohnzimmer wird dadurch völlig lahm gelegt. Wir versuchen, Küche und Arbeitszimmer unangetastet zu lassen. Ich werde berichten.
  • Während der Krankentage den im Moment hoch im Kurs stehenden Roman (eigentlich Jugendroman) von John Green „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ gelesen. Es gibt eigentlich nur guten, enthusiastische Kritiken. Ich habe es sehr schnell gelesen. Die Sprache ist einfach, aber mitnehmend. Das Thema ist natürlich bedrückend, die Liebe zwischen zwei krebskranken Teenagern. Und auch bei mir sind zum Schluß zwei Tränchen geflossen. Aber insgesamt hat es mich nicht wirklich ergriffen. Es war mir insgesamt zu platt und zu vorhersehbar.

Literaturtip? – Nummer 3

Ich suchte eine leichte Lektüre – zum Lesen abends im Bett auf der Kindle-Anwendung des iPhones. Müdigkeit, die wenigen Minuten und das kleine Display lassen keine große Literatur für diese Momente zu.

Aus welchen Gründen auch immer habe ich mich für

Manchmal muss es eben Mord sein: Ein Büro-Krimi
Frida Mey
Aufbau Taschenbuch

entschieden. Schlechte Wahl, sehr schlechte Wahl: Ein wirklich schlechter Krimi ohne Spannung, vorhersehbar, seicht, 100 Mini-Stränge, von denen nur ein paar zu Ende gebracht werden, eine Sprache wie in einem Groschenroman.

Nicht kaufen, nicht laden!

Ich bin nicht allein …

… mit meinen Zweifeln und der Verunsicherung über mein aktuelles Leseverhalten. Erst las ich bei Patschbella, dann bei Excellensa und schließlich bei Journelle darüber. Und fand mich in allen drei Artikeln irgendwie mehr oder weniger wieder.

Ich bin mit Büchern groß geworden, meine Mutter las viel, hat das wohl auch bei mir von Anfang an gefördert. (Meine Mutter ist seit 50 Jahren Mitglied der Büchergilde.) Mein Vater las mir immer vor, ich erinnere mich an „Huibuh, das Schlossgespenst“ oder die Bücher von Otfried Preußler, aber auch „Fix & Foxi“ und Entenhausen standen bei uns hoch im Kurs.

In der Grundschule suchte ich den Bücherbus heim, der wöchentlich in unseren Stadtteil kam. Später kam dann eine Stadtteilbibliothek, die ich bald in- und auswendig kannte. Ich griff schnell zur Erwachsenenliteratur, ich las alles, von Schund bis „hoch intellektuell“, von „Angélique“ bis „Der Zauberberg“. Nichts war vor mir sicher. Sehr bald stellte sich auch eine große Liebe zu Krimis ein, wobei mir die „Who-dunnit“ am liebsten waren und sind – hier waren die Agatha Christie Bücher mein Einstieg.

Auch während des Studiums las ich viel, denn ich pendelte 6 Jahre zwischen Augsburg und München, Fahrtstrecke Haustür zu Haustür einfach 1 ½ Stunden. Zwar mischten sich hier Zeitungen, Zeitschriften und natürlich Fachliteratur unter die Bücher, aber ein Taschenbuch war immer in der Tasche dabei.

Und danach – eine Handtasche, eine Aktentasche ohne Buch? Nein, ging gar nicht. Es hätte doch sein können, daß während des 12-Stunden-Arbeitstages irgendwo eine kleine Lücke für ein, zwei Seiten Buch sein würde. Oder ich hätte ohne Buch im Aufzug hängen bleiben können … undenkbar.

Und die noch größere Panik? Nicht genügend Urlaubsliteratur dabei zu haben. Der Super-GAU, etwas das nicht sein kann, sein darf, das zu völliger Orientierungslosigkeit und Panikattacken führen würde. Nie werde ich den Gesichtsausdruck von P. vergessen, als wir das erste Mal gemeinsam mit Rucksack in den Urlaub gefahren sind, nach Griechenland, Inselhüpfen, und er (als bis dahin Nicht-Leser) sich wunderte, warum meine Rucksack so schwer war. ;-)Seit diesem Zeitpunkt, gut ein Viertel Jahrhundert ist inzwischen vergangen, hat er sich die ersten Jahre heftig gegen die Bücherstapel gewehrt, es irgendwann aber aufgegeben. Die einzige Maßgabe, die es jetzt noch gibt: Nicht mehr Bücher als Urlaubstage. Damit kann ich leben.

Aber dann passierte es, das Internet nahm immer mehr Platz in meinem Leben ein. Das normale Lesen von Artikeln, dann das Entdecken von Kochblogs und dann das Selbstschreiben, das Kennenlernen von Kochbloggern, dann von Bloggern … und das Internet wurde immer größer und meine Lesereise darin auch. Und schließlich noch Twitter und die Kommunikation mit tollen, interessanten, intelligenten Leuten, ihre Tips zu Artikeln, zu anderen Blogs … und wieder wurde das Internet größer. Und ich las und lese … ganz viel … aber eben nicht mehr in Büchern, sondern im Notebook und im iPhone.

Ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen, die guten Bücher, die ich nicht mehr kaufe, oder die, die ich kaufe und dann auf dem „Ungelesen“-Stapel landen. Der Gedanke „Ich lese gar nicht mehr“, der immer wieder hoch kommt, der aber gar nicht stimmt. Ein bißchen auch die Angst, etwas da draußen in der großen Bücherwelt etwas zu verpassen. Ich höre Podcasts von dradio oder WDR mit Büchertips, ich schreibe mir auf, was ich unbedingt lesen muß … aber … nix.

Ganz nix – nein, nicht ganz. Auf Urlaubsreisen nehme ich immer noch stapelweise Bücher mit. Die Roaming-Gebühren sind meist noch so hoch oder die vorhandenen WLAN-Verbindungen so schlecht, daß ich doch wieder auf Bücher zurückgreife, gerne. Und ich genieße es, stundenlang, gerne auch bis tief in die Nacht zu lesen. Das finde ich immer noch wunderbar. Und das ist auch der Grund, warum wir nur Zwei-Zimmer-Ferienwohnungen buchen. (P. liest zwar inzwischen, aber nicht nächteweise.) In Hotelzimmern ziehe ich mich gerne ins Bad auf die Toilette oder mit Decken bequem ausgelegte Ecken zurück.

Das versöhnt mich ein bißchen mit mir selbst. (Aber ich gebe zu, es beschäftigt mich trotzdem.)