„Daß der das alles überlebt hat!“ …

… sagte P. nach der Preview des neuen James Bond Filmes „Skyfall“. Eigentlich kann man das ja nach jedem James Bond Film sagen, oder?

Octopussy war wahrscheinlich mein erster James Bond, den ich im Kino, damals mit meinem Papa, in Augsburg gesehen habe. Meine Eltern fanden beide die Filmreihe gut, so wurde ich schnell infiltriert. Nach und nach sah ich die alten Filme im Fernsehen und die neuen im Kino. Seit 1989 (Lizenz zum Töten) auch immer am Premierentag. Meine Mitarbeiter schleppte auch schon mal zu Previews, jedenfalls die, die Lust dazu hatten.

Gestern war nun die Preview von „Skyfall“ in unserem Kino ums Eck. War ja klar, daß ich mit P. dort war. Hier nun, nicht völlig objektiv (ich mag Daniel Craig nicht und bin ein Fan von Pierce Brosnan) einige unvollständige, völlig subjektive Kritikpunkte in sinnfreier Reihenfolge:

  • Vielleicht der realste Bond-Film, den es bis jetzt gab. (Spricht ein bißchen gegen ihn, aber mal weiter.)
  • Die Anfangssequenz, die Verfolgungsjagd, immer wieder ein Highlight der Filme, war gut, ging aber schon besser. 😉 (Ich erinnere mich an das schneebedeckte Bergplateau und Pierce Brosnan.) Die Fahrt über die Dächer des Istanbuler Basars ist aber wirklich beeindruckend. Produktplacement in Form von kaputten Autos und Baggern fehlte nicht. Gehört aber irgendwie dazu. (Wer kauft nur deshalb einen VW Beetle, weil ein Bagger über einige drübergefahren ist und diese danach kaputt waren?)
  • Die Titelmusik von Adele – sehr stimmig zum Film.
  • Herr Craig schaut in der ersten halben Stunde im Gesicht aus wie ein Basset, aus guten Gründen. Aber damit ist er noch weiter weg von … (s.o.). Das Aussehen ist aber stimmig zum Kontext.
  • Javier Bardem als erblondeter Widersacher ist eklig, tuntig, cool, wohl überlegt, beängstigend irre – toll.
  • Die Anzüge und Mäntel von Herrn Bond sind zu eng und die Karottenhosen für Männer gehen gar nicht. Aber die Jacke mit dem Lederbesatz am Kragen, getragen beim Shanghai-Hochhaus-Ausflug ist sehr schön.
  • Es gibt wieder einige Lacher im Film, meist wenn Anspielungen zu alten Filmen erfolgen. Einer der charmantesten Dialoge ist dabei das Treffen zwischen Q (inzwischen ein Nerd, sehr jung) und Bond in einem Londoner Museum.
  • Apropos Nerd – liebe Filmausstatter: Auch ein Nerd darf eine entspiegelte Brille tragen. Das schließt sich nicht aus.
  • Anspielungen zu alten Filmen gibt es viele – eine alter Aston Martin, Miss Moneypenny, die wieder auftaucht, ein altes Büro mit Vorzimmer (siehe Moneypenny), der Martini geschüttelt und ein Q.
  • Die liebgewonnen Gadgets fehlen, eine Pistole und ein Sender sind alles, was Bond bekommt. Die Gadgets im alten Aston Martin spielen aber im Laufe des Films noch eine Rolle.
  • Es geht viel um alt und jung, um leistungsfähig oder auch nicht, um alten und neuen Stil, um Lebenskrisen und Entscheidungen.
  • Bond weint.
  • Daniel Craig ist in seiner Rolle angekommen, er ruht in ihr, der Film ist nicht so hektisch wie die zwei Vorgänger.
  • Frauen spielen noch weniger eine Rolle als früher. Außer M.
  • M, bzw. Judi Dench, wirkt trotz ihrer äußerst kurz geschnittenen Haare immer wie eine Lady. Ich mag sie sehr.

Skyfall ist sicher der beste Film mit Daniel Craig in der James Bond Reihe. Aber ob er der beste ist? Ich mag es zu bezweifeln. Mir könnte er noch ein bißchen überdrehter sein. Ein bißchen weniger Wirklichkeit, ein bißchen mehr Fantasie.

Aber trotzdem: Empfehlung! Sehr, sehr gut gemachtes Unterhaltungskino!

P.S. Was steht auf der Tasse von Q? Sind es wirklich die Scrabble-Buchstaben-Werte? So schnell konnte ich gar nicht schauen.

31. Oktober 2012 – was vom Tage übrig bleibt …

  • Eine kompetente Telekom-Hotline, die mir bei einem Kundenproblem gut weitergeholfen hat. Ich kann eigentlich in den allgemeinen Sturm gegen die Telekom nicht einstimmen (in den gegen die Deutsche Bahn schon). Auch bei unserem eigenen Anschluß gab es immer wieder Probleme, aber sie wurden alle gelöst. Und auch bei den Hotlines bin ich immer gut „bedient“ worden (nur die Wartezeit ist manchmal katastrophal – aber da hilft dann Lautsprecher, zur Seite legen und weiterarbeiten).
  • Der neue James Bond in der Preview in unserem kleinen Vorstadtkino. Der Eintrittspreis ist günstig, finde ich. 8 Euro. Oder finde ich das nur günstig, weil ich selten ins Kino gehe? Kritik folgt in einem Extrabericht.
  • Angst zulassen, nicht immer nur vermeiden! Sie läßt auch wieder nach. (Reminder)

22. Oktober 2012 – was vom Tage übrig bleibt …

Galerien hatten immer etwas unnahbares für mich: Selten Besucher in den Ausstellungsräumen, eine eher abweisende Person, die irgendwo in einer Ecke sitzt, ein Buch liest und aufpasst. Ich habe Galerien nie betreten, selbst wenn mich die Bilder angezogen haben. Vielleicht lag es daran, daß ich ja schon wußte, daß ich nichts kaufen würde, bzw. daß die Preise vermutlich jenseits meines Einkommens liegen würden. (Dieses Zurückhalten lege ich aber bei Modelabels nicht an den Tag. Da laufe ich unbefangen in die Geschäfte der Luxuslabels rein und wieder raus. Ohne etwas zu kaufen.) Und so bin ich über Jahre im In- und Ausland zwar an Galerien vorbeigelaufen, habe mir an Fensterscheiben die Nase ein bißchen platt gedrückt, aber nie welche betreten.

Erst mit einem Kunden, einem Galeristen, änderte sich das. Seine weltweit bekannte Galerie ist an prominenter Stelle in München gelegen – aber nicht als Ladenlokal sondern in einem der oberen Stockwerke. Wenn ich bei ihm vorbeischaue, um etwas abzugeben oder mit ihm kurz etwas zu besprechen, warte ich in den Ausstellungsräumen. Die Zeit nutze ich, die Werke anzuschauen. Währenddessen kommen immer wieder Besucher in die Galerie, die keine Hemmungen haben, nach oben zu fahren, sich umzuschauen, ein kleines Schwätzchen über die Bilder und die Künstler zu machen (und sie zeigen dabei nicht mehr oder weniger Ahnung wie ich) und wieder zu gehen – ohne zu kaufen. Alles ganz normal.

Inzwischen habe ich auch meine Hemmungen überwunden und kann nur sagen: Geht rein, schaut Euch um, quatscht mit den Leuten oder auch nicht. Alles gar kein Problem. Es gibt einiges zu entdecken. Letztes Jahr in New York haben wir das immer wieder getan und hatten sehr viel Spaß dabei.

Und wenn Ihr noch ein bißchen „Ladehemmung“ habt oder Euch das Galerie-Bummeln schon Spaß macht: Geht auf die momentan in München stattfindenden „Highlights – Internationale Kunstmesse München“. Eine inzwischen zum dritten Mal im Haus der Kunst beheimatete Ausstellung, in der renommierte Galerien aus ganz Europa ihre besten Stücke (zwischen 2400 v. Chr. und 1955, Bilder, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Möbel … darunter z.B. Gemälde von Max Liebermann) zeigen (und natürlich auch verkaufen). Die Atmosphäre ist entspannt, Fragen werden ohne Druck und Zwang beantwortet.

Wir sind gestern durch die Hallen geschlendert und haben uns lange mit einem Galeristen über einen Kronleuchter unterhalten – allen war klar, daß wir sicher nicht zur „Kunden-Zielgruppe“ für diesen im 6stelligen €-Bereich gelegenen Leuchter gehören. Aber wir haben viel gelernt zur Konstruktion, Aufbewahrung, Transport dieses Prachtexemplars. (Abgesehen davon, daß der Leuchter schon höher ist als unser Wohnzimmer insgesamt.)

Also keine Hemmungen – es gibt viel zu entdecken!

Fernsehtips im Radio

Früher war ich an mindestens drei Tage zwischen 7 und 7.40 Uhr auf dem Weg zum Kunden. Normale Radioprogramme mit ihrer überzogenen und verordneten Morgen-Fröhlichkeit waren mir zu viel. Sehr bald hörte ich nur noch Bayern 5 (auf dem Heimweg waren es meist Podcasts). In dieser Zeit kommen vor allem Spezielberichte zur Wirtschaft, erwarteten Börsenlage, zu Regionalthemen und um 7.23 Uhr „Tips für den Fernsehabend“. Ich habe diese Tips sehr gemocht. Es waren „Perlen“ dabei, die ich sonst nie entdeckt hätte. Fernsehspiele, Dokumentarfilme mitten in der Nacht, Spielfilme abseits des Mainstreams, aber auch lustiges, unterhaltsames, fröhliches. Beim Kunden angekommen, habe ich mir dann gleich Notizen gemacht oder mir selbst ein Mail geschrieben, damit ich die Programmierung des Recorders nicht vergessen.
Seit gut einem Jahr bin ich um diese Zeit eigentlich nicht mehr auf der Straße unterwegs. Außer eben gestern. Und so wurde ich daran erinnert. Schade, daß ich das nicht mehr automatisch höre – wobei die Autofahrten an sich nicht vermisse.  Mal schauen, ob es diese Tips auch online gibt.

Ich bin nicht allein …

… mit meinen Zweifeln und der Verunsicherung über mein aktuelles Leseverhalten. Erst las ich bei Patschbella, dann bei Excellensa und schließlich bei Journelle darüber. Und fand mich in allen drei Artikeln irgendwie mehr oder weniger wieder.

Ich bin mit Büchern groß geworden, meine Mutter las viel, hat das wohl auch bei mir von Anfang an gefördert. (Meine Mutter ist seit 50 Jahren Mitglied der Büchergilde.) Mein Vater las mir immer vor, ich erinnere mich an „Huibuh, das Schlossgespenst“ oder die Bücher von Otfried Preußler, aber auch „Fix & Foxi“ und Entenhausen standen bei uns hoch im Kurs.

In der Grundschule suchte ich den Bücherbus heim, der wöchentlich in unseren Stadtteil kam. Später kam dann eine Stadtteilbibliothek, die ich bald in- und auswendig kannte. Ich griff schnell zur Erwachsenenliteratur, ich las alles, von Schund bis „hoch intellektuell“, von „Angélique“ bis „Der Zauberberg“. Nichts war vor mir sicher. Sehr bald stellte sich auch eine große Liebe zu Krimis ein, wobei mir die „Who-dunnit“ am liebsten waren und sind – hier waren die Agatha Christie Bücher mein Einstieg.

Auch während des Studiums las ich viel, denn ich pendelte 6 Jahre zwischen Augsburg und München, Fahrtstrecke Haustür zu Haustür einfach 1 ½ Stunden. Zwar mischten sich hier Zeitungen, Zeitschriften und natürlich Fachliteratur unter die Bücher, aber ein Taschenbuch war immer in der Tasche dabei.

Und danach – eine Handtasche, eine Aktentasche ohne Buch? Nein, ging gar nicht. Es hätte doch sein können, daß während des 12-Stunden-Arbeitstages irgendwo eine kleine Lücke für ein, zwei Seiten Buch sein würde. Oder ich hätte ohne Buch im Aufzug hängen bleiben können … undenkbar.

Und die noch größere Panik? Nicht genügend Urlaubsliteratur dabei zu haben. Der Super-GAU, etwas das nicht sein kann, sein darf, das zu völliger Orientierungslosigkeit und Panikattacken führen würde. Nie werde ich den Gesichtsausdruck von P. vergessen, als wir das erste Mal gemeinsam mit Rucksack in den Urlaub gefahren sind, nach Griechenland, Inselhüpfen, und er (als bis dahin Nicht-Leser) sich wunderte, warum meine Rucksack so schwer war. ;-)Seit diesem Zeitpunkt, gut ein Viertel Jahrhundert ist inzwischen vergangen, hat er sich die ersten Jahre heftig gegen die Bücherstapel gewehrt, es irgendwann aber aufgegeben. Die einzige Maßgabe, die es jetzt noch gibt: Nicht mehr Bücher als Urlaubstage. Damit kann ich leben.

Aber dann passierte es, das Internet nahm immer mehr Platz in meinem Leben ein. Das normale Lesen von Artikeln, dann das Entdecken von Kochblogs und dann das Selbstschreiben, das Kennenlernen von Kochbloggern, dann von Bloggern … und das Internet wurde immer größer und meine Lesereise darin auch. Und schließlich noch Twitter und die Kommunikation mit tollen, interessanten, intelligenten Leuten, ihre Tips zu Artikeln, zu anderen Blogs … und wieder wurde das Internet größer. Und ich las und lese … ganz viel … aber eben nicht mehr in Büchern, sondern im Notebook und im iPhone.

Ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen, die guten Bücher, die ich nicht mehr kaufe, oder die, die ich kaufe und dann auf dem „Ungelesen“-Stapel landen. Der Gedanke „Ich lese gar nicht mehr“, der immer wieder hoch kommt, der aber gar nicht stimmt. Ein bißchen auch die Angst, etwas da draußen in der großen Bücherwelt etwas zu verpassen. Ich höre Podcasts von dradio oder WDR mit Büchertips, ich schreibe mir auf, was ich unbedingt lesen muß … aber … nix.

Ganz nix – nein, nicht ganz. Auf Urlaubsreisen nehme ich immer noch stapelweise Bücher mit. Die Roaming-Gebühren sind meist noch so hoch oder die vorhandenen WLAN-Verbindungen so schlecht, daß ich doch wieder auf Bücher zurückgreife, gerne. Und ich genieße es, stundenlang, gerne auch bis tief in die Nacht zu lesen. Das finde ich immer noch wunderbar. Und das ist auch der Grund, warum wir nur Zwei-Zimmer-Ferienwohnungen buchen. (P. liest zwar inzwischen, aber nicht nächteweise.) In Hotelzimmern ziehe ich mich gerne ins Bad auf die Toilette oder mit Decken bequem ausgelegte Ecken zurück.

Das versöhnt mich ein bißchen mit mir selbst. (Aber ich gebe zu, es beschäftigt mich trotzdem.)

9. Oktober 2012 – was vom Tage übrig bleibt …

Abendveranstaltung – zur Eröffnung der Ausstellung „Ends of the Earth – Land Art to 1974“ im Haus der Kunst gewesen.

Immer ein Tag vor der offiziellen Eröffnung findet die Preview für die Freunde des Hauses der Kunst statt. Ein klassischer Networking-Termin für mich, bei dem ich aber auch kurz in die Ausstellung gehe und schaue, ob sie mir gefällt, mich interessiert oder doch zu „abgespacet“ (was doch im Haus der Kunst manchmal vorkommt) ist. Am Preview-Abend ist es mir zu voll, ich gehe lieber durch leerere Räume.

Aber diese Ausstellung werde ich mir noch einmal zu Gemüte führen, da gibt es schon einige Objekte, die ich interessant finde, während manches wieder zu irr ist. Z.B. der Holzkasten, ca. 4 m x 5 m groß, in dem Gras wächst. Zwischendurch soll ein (echtes) Schwein dort das gewachsene Gras wegfressen. Wann das Schwein aber anwesend sein wird, konnte mir keiner sagen.

27. September 2012 – was vom Tage übrig bleibt …

  • Das erste wirklich überlegte, strategische und mal nicht hektische Meeting beim einem bestimmten Kunden. Seit 1 1/2 Jahren von mir gewünscht und herbeigesehnt fing es gut an – bis es durch einen Anruf unterbrochen. Eine katastrophale Nachricht für den Kunden. Ganz schlimm. (Aber ich gebe zu, ich war auch ein bißchen verzweifelt, daß „mein“ Meeting ein Ende nahm. Werde ich wieder 1 1/2 Jahre warten müssen?)
  • Unter Kundenbeobachtung: „Ich habe Sie gestern abend lange auf der Wiesn gesehen. Aber: Sie waren ganz brav.“
  • 1. Konzert der diesjährigen Abo-Reihe Münchner Philharmoniker. Das erste Konzert mit Lorin Maazel als Dirigent. Ich hätte mir ja nach dem Weggang von Christian Thielemann einen jüngeren Chef gewünscht. Nicht daß ich Maazel nicht schätze, aber als 82 jähriger Mann stellt er für mich und für die nächsten drei Jahren keinen Neuanfang dar.
    (Achtung: Die folgenden Kritiken sind die eines interessierten Musik-Amateurs!)
    Zum Konzert: Faurés „Pelleas et Mélisande“ stand am Beginn des Abends. Es plätscherte dahin. Für mich nicht mehr und nicht weniger. Nett anzuhören. Ok. Der Beifall war dann auch freundlich, aber verhalten.
    Danach spielte Alice Sara Ott mit den Philharmonikern Ravels „Klavierkonzert in G-Dur„. Auch hier aus meiner Sicht alles ok, aber so richtig zog mich das auch nicht in den Bann. (Frau Ott kam barfuß auf die Bühne, find ich ja zum Abendkleid nicht besonders passend.)
    Nach der Pause folgte in großer Besetzung Strawinskys „Petruschka„. Hier war ich dann schon eher aufgehoben. Ich entspannte mich, versank. Aber bei dieser konzertanten Fassung, die sich nahe an die Ballettversion hielt, fehlte mir dann doch etwas fürs Auge. Da hätte ich gerne Tänzer auf der Bühne.
    Erst die Zugabe erfaßte und umfaßte mich – „La Valse“ von Ravel. Dieses Auflösen und Zusammenkommen des Walzermotivs in Verbindung mit diesem großen und dann auch lauten Orchesters war für mich ganz wunderbar. Ein toller Abschluß eines normalen Konzertabends.